XI. DRESDNER SAXOPHONMESSE

HEINZ SAUER & BOB DEGEN D/USA

Als Saxofonist seit Jahrzehnten wie ein Fels in der Brandung: der mit dem Echo Jazz 2011 ausgezeichnete Sauer in einem der raren Duokonzerte mit dem US-Pianisten Degen
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Samstag
29. Okt 2011
21:00 Uhr
Im Juni 2011 erhielt HEINZ SAUER hochverdient den Echo Jazz als Saxofonist des Jahres. Der am 25.12.1932 geborene Sauer gilt nicht nur als prägende Figur des deutschen Nachkriegsjazz, sondern als einer der größten Individualisten und Meister auf dem Tenorsaxophon überhaupt.Er vereint die Wärme und Lyrik eines Ben Webster mit der experimentellen Exzentrik eines Archie Shepp und der rhythmischen Varianz eines Sonny Rollins - und doch ist es vielleicht nicht einmal der Ton selbst, der Heinz Sauer von allen anderen unterscheidet. Es ist seine Haltung, sein steter Kampf um diesen Ton. Ausdruck ist das Zauberwort für die Musik Heinz Sauers, kompromisslos ist er stets auf der Suche nach dem Wesentlichen, nach der Korrespondenz zwischen Standards und Neutönendem, zwischen Inhalt und Form. Der intensive improvisatorische Prozess, der daraus entsteht, ähnelt einem Gespräch: Heinz Sauer ist der große Erzähler im deutschen Jazz. Ganz unentdeckt ist das nicht geblieben, 1999 bekam Sauer den Deutschen Jazzpreis, vor zwei Jahren befand der Kritiker Konrad Heidkamp: „Lebte Heinz Sauer in New York, stünde er im Jazz-Olymp der Saxophonisten." Doch das Lob hat sich spät eingestellt. Ganz abgesehen vom Topos des Propheten im eigenen Land gibt es ein paar handfeste Gründe, warum dem Saxophonisten erst seit ein paar Jahren die Anerkennung zuteil wird, die er seit Jahrzehnten verdient gehabt hätte. Einmal lag es an der ragenden Gestalt seines Freundes Albert Mangelsdorff, in dessen Schatten er stand. Mangelsdorff war ja nicht nur der weltweit prägende Posaunist seiner Zeit, er war auch ein eloquenter Fürsprecher für den Jazz insgesamt. Sauer hingegen galt als sperrig und wortkarg, vielleicht auch nur, weil er - wie in seiner Musik - knapp und klar war, wenn es etwas zu sagen gab. Ein anderer Grund war die Konsequenz, mit der er allen Moden trotzte und sein Ding machte - als entschiedener Gegner jeder „anonymen Klischeemusik". Natürlich spielte Sauer auch mit ein paar ganz Großen, vor allem beim Deutschen Jazzfest in Frankfurt: 1978 mit Archie Shepp, George Adams und Jack DeJohnette, 1980 mit Benny Wallace, zwei Jahre später mit dem Blues-Harp-Star Carey Bell, 1986 mit Tomasz Stanko. Doch viel typischer und bemerkenswerter ist die Nibelungentreue, mit der Sauer an den wenigen hing, die er als ideale Partner erkannt hatte: Zu allererst das Jazzensemble des HR, für das er seit 1960 bis heute spielt und komponiert; dann eben Albert Mangelsdorff, mit dem die Zusammenarbeit fast 20 Jahre währte; danach, von 1977 an, war es - neben dem Bassisten Stephan Schmolck - immer wieder der Pianist BOB DEGEN, mit dem Sauer die Jazzgeschichte durchmaß und nach neuen Klängen abklopfte. Die LP „Ellingtonia Revisited" der beiden bekam 1981 den Deutschen Schallplattenpreis. Heinz Sauer hat lange daran geknabbert, als Degen zurück in die USA ging. Erst 2001 traf er mit dem jungen Pianisten Michael Wollny einen neuen Idealpartner. Mit ihm hat Sauer einen kongenialen Widerpart und Begleiter in einer Person gefunden, die in diesem Brückenschlag über Generationen hinweg Sauers narrativer Ideenflut nicht nur standhalten, sondern sie noch verdichten, ergänzen und mit ihr in Dialog treten kann. Umso erfreulicher aber ist es, dass es die musikalische Partnerschaft mit Bob Degen nach wie vor gibt. Degen kam 1965 nach Europa und öffnete hier zahlreichen amerikanischen Kollegen das Tor zum europäischen Publikum. Auf seinem ersten Album unter eigenem Namen begleitete ihn ein junger Bassist namens Manfred Eicher und seine Aufnahmen mit Albert Mangelsdorff sind legendär. Wenn die beiden gemeinsam in die Tasten greifen und ins Horn stoßen, meint man buchstäblich blaues Blut pulsieren zu hören. Das ist sicher keine Musik für Heißsporne. Jeder Ton ist wohl überlegt, jede Phrase gefriert zum Kunstwerk aus geschwungenem Marmor. Bob Degen und Heinz Sauer servieren Jazz für jene Genießer, die für einen guten Ton und ein Stück zeitloser Schönheit auch in der Ära des schnellen Datenklicks noch meilenweit gehen würden. Eins der raren Konzerte dieses großen Duos findet nun zur Saxophonmesse in der Tonne statt.