Jazzclub Tonne

DER Jazzclub in Dresden!

Programm

2006 2007 2008

3. Festival Jazzwelten 2007

Grenzgänge – Grenzen überbrücken, Grenzen schaffen, Grenzen erweitern

Samstag, 31.03.2007, 20.00 Uhr

Jazzclub Tonne, Königstraße 15, 01097 Dresden

Eintritt Ak. 22 | 13 EUR

Festivalpass (24.03.2007 – 31.03.2007) Ak. 50 | 30 EUR

 

MICHAEL BATES OUTSIDE SOURCES [can/usa]

New Yorker Sounds zwischen Schostakowitsch und Ornette Coleman

Der kanadische Bassist und Komponist Michael Bates verbindet mit seinem Projekt »Outside Sources« seine ganz persönliche Interpretation des Jazz mit klassischen Einflüssen. Und auch ein bisschen mit der Tradition des Quintetts von Miles Davis aus den 60er Jahren.

Schostakowitsch, Ligeti, Bad Brains, Ornette Coleman, Wayne Shorter und Joni Mitchell sind Musiker, die Michael Bates auflistet, wenn er gefragt wird, wer auf seinen Stil Einfluss hatte. Anhand seiner CDs und Konzerte kann man sich davon überzeugen, dass Bates in der Lage ist, ein großes Spektrum von Stilistiken zu vereinen, daraus aber eine ganz eigene, individuelle Sprache formt. Teilweise komponiert und somit vorgegeben, dann aber auch wieder überraschend frei und mit viel Improvisation angereichert – modern geführte, elegante Melodien vermag er ebenso stilvoll einzusetzen wie den Kontrapunkt.

Der heute in New York lebende Michael Bates wurde in Kanada geboren und begann früh Jazz zu spielen. Bald schon arbeitete er regelmäßig beim Vancouver International Jazz Festival, und traf dort Musiker wie Sun Ra, Dave Douglas, Dave Holland und Thomas Chapin, die ihn stark inspirierten. In den frühen 90er Jahren ging er nach Tokyo, wo er bei Yoshio Nagashima (erster Bassist der Tokyo Symphony) studierte. Anschließend setzte er seine Studien in Toronto bei Don Thompson und Dave Young fort. Schließlich zog es ihn nach New York, wo er bei Mark Helias studierte und schon zahlreiche Kompositionsaufträge erhielt. Aber er tourte auch mit Musikern wie Michael Blake, Dan Weiss, Peggy Lee, John Abercrombie, Michael Sarin und Russ Johnson. Seine musikalischen Reisen führten ihn quer durch die USA, Kanada, Hong Kong, Korea, China und Japan. Momentan lebt Michael Bates in Brooklyn und arbeitet als Internationaler Koordinator für Jazz Workshops am Banff Centre of the Arts.

Nicht nur die sich über verschiedene Erdteile und Staaten spannende bisherige Lebenslinie Bates’, sondern auch dessen Art, mit ganz verschiedenen musikalischen Subkulturen und Teil-Sprachen umzugehen, verdeutlichen die Fähigkeiten des Musikers, das Überbrücken von Grenzen zum Aspekt der Entwicklung einer eigenen, individuellen Musiksprache zu machen.

 

LAUTSTARK!4 [d]

Contemporary Ambient Krach – Push for Emergency!

Jan F. Kurth [voc, Komposition] Lutz Streun [ts] Matthias Kurth [g] Demian Kappenstein [dr]

Aus einem Gitarrenverstärker ergießen sich Gebilde unterschiedlicher Farbgebung. Der Schlagzeuger erprobt die Klangqualität sämtlicher Bereiche seines Instrumentariums. Dieser Wust wird mit kürzesten Schüssen aus einem Tenorsaxophon bearbeitet, während oben drüber eine sauber unartikulierte Stimme wortlos Geschichten erzählt. Lautstark!4, so heißt das Kind, wobei lautstark nach der korrekten Dudendefinition sich nicht nur auf eine physikalische Größe bezieht, sondern auch und vor allem für »weithin hörbar« steht, was nun gar nichts mit Lautstärke zu tun haben muss. Und die 4, nun, das macht man jetzt so, Quartett ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Lautstark!4, das fing mal als Trio »Couer du Pierre« an. Das waren Lutz Streun, Tenorsaxophon, Matthias Kurth, E-Gitarre und Nico Stallman, Schlagzeug. Man entdeckte den gemeinsamen Hang zur improvisierten Musik, schloss sich zunächst stundenlang ein und landete schließlich mit einer Theaterproduktion bei der Fête de la Musique in Paris 2005.

Zeitgleich ist der Sänger Jan F. Kurth, der Bruder von Matthias, unabhängig davon mit einer ganz anderen Band bei der Fête de la Musique in London. Der europäische Wahnsinn wird komplett, als ihm später im Jahr beim Italienaufenthalt die Idee kommt, mit diesen drei Musikern, die alle in den Niederlanden studieren, zu kollaborieren.

Heraus kommen Stücke, welche von missverständlichen Verhaltensmaßnahmen in Notfällen oder vom leicht veränderten Bewusstsein handeln. Immer wieder bricht die Konstellation in sich bekriegende Duos, Trios, und Solos auf. Zwischen den auskomponierten Teilen reihen sich ausladende Momentaufnahmen spielfreudiger Improvisation, aus denen sich ständig neue Stücke ergeben. Und zwischendurch klingt‘s auch einfach mal schön.

 

ZAKARYA [f]

Eine witzige Kombination aus Walzer, Trash, Jazz und Balkan Rock, eine extrem lebendige Musik ohne Tabus

Yves Weyh [acc] Alexandre Wimmer [g, electronics] Vincent Posty [b] Pascal Gully [dr]

Eine grandiose Band. Zakarya überschreiten nicht einfach Grenzen – trennende Linien zwischen musikalischen Genres scheinen schlichtweg nicht zu existieren, nähme man die Musik der Band zum Maßstab. Die Mischung aus jiddischer Musik, Rock, zeitgenössischem Jazz, Elektronik, Minimalismus, Brachialgewalt und vielem mehr, gewürzt mit einer gehörigen Portion Humor, klingt so selbstverständlich als hätte es nie etwas anderes gegeben. Zakarya sind laut und wild, sind zart und sanft, sind witzig, sind ernst.

»Radical Jewish Culture« heißt die Serie auf John Zorn’s Label »Tzadik«, innerhalb derer Zakarya inzwischen drei Alben veröffentlicht haben. Und so mag jüdische Kultur, Geschichte, jüdischer Humor sowie jiddische Musik mit ihren Skalen und Rhythmen den Mittelpunkt ihrer Musik bilden, beschrieben wird sie dadurch nicht. Denn so wie manche Themen deutlich diesen kulturellen Hintergrund zeigen, kann schon im nächsten Stück der Abstand dazu kaum größer sein.

Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Institut français de Dresde