Jazzclub Tonne

DER Jazzclub in Dresden!

Programm

2007 2008 2009

Mittwoch, 02.04.2008, 20.00 Uhr

Jazzclub Tonne, Königstraße 15, 01097 Dresden

Eintritt Ak. 15 | 11 EUR

Festivalpass (25.03.2008 – 05.04.2008) Ak. 45 | 30 EUR

 

HIDDEN FRESCO [d]

Improvisationen auf mittelalterlichen Instrumenten

Albrecht Maurer [gotische Fidel] Norbert Rodenkirchen [mittelalterliche Flöten und Harfen]

Mit gotischer Fidel und mittelalterlichen Flöten und Harfen werden Themen und Motive aus dem Mittelalter als Vorlage für zeitgenössische Improvisationen genommen.

Das Programm Hidden Fresco ist inspiriert von Leonardo da Vinci : »Modo d'aumentare e destare l'ingegno a varie invenzioni.« (Art, den Geist zu bereichern und zu verschiedenen Erfindungen aufzuwecken)

Leonardo da Vinci empfahl seinen Schülern, verwitterte Mauern zu betrachten. Die Zufallsformen könnten den Geist aufwecken, man könnte darin ganze Landschaften entdecken. Ein Traktat des italienischen Malers hat nämlich das Kölner Duo Albrecht Maurer und Norbert Rodenkirchen angeregt, ein CD-Programm »Hidden Fresco« (Verborgenes Wandbild) zu schaffen und eigene Musik auf mittelalterlichen Instrumenten zu spielen, auf Fidel und Flöte.

Dass Geiger und Flötist in vielen Stilen bewandert sind, vom Mittelalter bis zum Free Jazz, zeigen ihre Kompositionen und Improvisationen. Jetzt regen Klang und Bauart der Instrumente zu alten Spielweisen an, zu erinnerten Spielfiguren, vertrauten Rhythmen und tradierten griffigen Formen. Man hört also frisch erfundene, insofern »neue« Musik, mit alten Elementen, die der Musik so eingegraben sind wie Spuren in verwitterten Mauern. Beides verwandelt sich, Mauern und Musik… Das Duo Maurer/Rodenkirchen lässt jedenfalls der Fantasie Spielraum, die Musik »Hidden Fresco« wirkt zugleich frei und gebunden wie beim Betrachten verwitterter Mauern.

Was schreibt die Presse?

»Das Duo, das sich seit mehreren Jahren auf das spannende Vexierspiel zwischen altem und neuen Klang spezialisiert hat, komponiert und improvisiert eigene Neue Musik auf ausschließlich mittelalterlichen Instrumenten. Ein Klangerlebnis der ganz besonderen Art.« – Rheinisches Landes Museum Bonn / 2006

»Ein Improvisationsmeeting der besonderen Art: Norbert Rodenkirchen, der international gefragte Mittelalterspezialist, trifft auf den renommierten Improvisationskünstler Albrecht Maurer. Die beiden spielen frei, auf der Basis ihrer Spielvorlieben und unterschiedlichen musikalischen Wurzeln, sie führen ihre mittelalterlichen Instrumente weit über deren ursprüngliche Bestimmung hinweg aus und lassen sie Neues entdecken. Das die Instrumente dabei ein wenig verrückt spielen, ist klar. Ihr Klang ist getränkt von ihrer archaischen Herkunft und führt die Spieler immer wieder zurück zu imaginären Wurzeln.« – Martin Woltersdorf – Ticket Köln / 2005

 

SONUS@ANIMA [ch/d]

Klang und Seele, sonus und anima, im spannungsvollen Dialog

Elvira Plenar [p] Karin Ernst [laptop]

Klang und Seele, sonus und anima, haben eine gemeinsame Adresse.

Natürlich kann man, während sie sich miteinander bewegen, vorübergehend erst einmal die Seele dem Klavier zuordnen und den Klang dem Laptop und beide in zwei Welten dividieren: dem Laptop also die Welt der Geräusche zuordnen und der Bearbeitung von Klängen, die woanders erzeugt worden sind, und dem Klavier die Musik, die Kreativität, die Spannung, die Geschichte.

Das ist natürlich viel zu einfach. Das Klavier, ein Vertreter der älteren Musikinstrumente, wird von einer Pianistin gespielt, die sich nach langer Beschäftigung mit elektronischer Klangerzeugung und Klangbearbeitung dafür entschieden hat, beim Klavier zu bleiben, ohne Klangverzicht üben zu wollen. Und am Laptop, zeitgenössisches Instrument schlechthin, sitzt eine Musikerin, die dem Klavier sehr nahe kommt – sei es, indem sie antwortet und in einen Dialog eintritt, sei es, indem sie durch Echtzeit-Klangbearbeitung der Pianistin einen verfremdenden Spiegel leiht und sie zum Dialog mit sich selbst verleitet. Und weil niemand mit sich selbst in einen echten Dialog geraten kann, ist klar, dass es sich um einen Dialog mit einer anderen Musikerin handelt, unter einer gemeinsamen Adresse: sonus@anima.

Es kommt also zu Synthesen, die die Trennschärfe zwischen beiden verwischen, und die alten Vorstellungen musikalischer Ordnung stimmen nicht mehr recht. Es gibt keinen markanten, prinzipiellen und sinnvollen Unterschied zwischen Musik und Geräusch, wenn beide sich miteinander verweben und sich in gegenseitige Reaktionen hineinlocken oder sogar miteinander verschmelzen. Und keineswegs ist das traditionelle Instrument Klavier für die Musik zuständig und die historisch vergleichsweise neue Elektronik für deren Bearbeitung. Denn die Bearbeitung geschieht nicht immer nachträglich, sie kann auch Voraussetzungen schaffen oder neu definieren und ihrerseits Reaktionen provozieren. Manchmal erforschen beide ihre Reaktionsmöglichkeiten, manchmal scheinen sie sich zu teilen und nebeneinander her zu gehen. Aber immer sitzen sie im gleichen Boot. Weil es, und hier stimmt doch endlich mal eine überlieferte Weisheit, keine Musik ohne Klang gibt.

Elvira Plenar und Karin Ernst bewegen sich miteinander. Sie hören und reagieren aufeinander, füllen Lücken. Sie reichern an, was die andere an Material liefert, ohne dass sonus und anima dabei schwerer würden. Sie schichten nichts übereinander. Sie bevorzugen eine gemeinsame Schreit- oder Fließbewegung, ein Umeinander, bei dem sich eine Richtung wie von allein ergibt. Anders als in der Natur herrscht hier, in der Musik, keine Schwerkraft. Sie entsteht aus dem, was die beiden Musikerinnen den Tönen mitgeben.

(Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau)