{„de“:“Nach ihrem fulminanten Debutalbum \“Pimp Town\“ veröffentlicht das Schweizer Pulp-Kollektiv SCIENCE FICTION THEATER nun seine zweite CD: \“Dolly Shot\“ (Traumton Rec/Berlin).\nScience Fiction Theater sind ein Rockdrummer, ein Bassist mit Punk-Roots, ein frickelnder Pop-Gitarrist, ein Analog-Synthie-Freak und ein kauziger Jazzsaxophonist. Was sie alle vereint, ist die Liebe zur Filmmusik. Inspiriert von Spaghetti-Western, James Bond und eben Science Fiction wird hier die ganze Welt der Filmmusik gefeiert. Das Resultat ist eine Musik zwischen Surf, Trash, Punkjazz und Easylistening, in der süße\nMelodiechen ebenso Platz haben wie jazzige Improvisationen, elektronische Soundscapes und Noiseeskapaden – und das alles in Technicolor!\n\nDer deutsche Jazz-Journalist Henry Altman (\“Jazzthing\“) über SCIENCE FICTION THEATER und ihr neues Album:\n\n\nRaumschiff Enterprise, Orion, Barbarella oder Perry Rhodan? Für Freunde, Fans und Feinde der trashigen SF-Unterhaltung gibt es seit einigen Jahren einen Soundtrack der besonderen Art; den einen zur Bestätigung, den anderen zur Bekehrung, die „gute, alte Zeit“, sie bringt zuweilen auch großartig Neues hervor, das Züricher Science Fiction Theater!\nDie Intro zu US-Fernsehserie Science Fiction Theatre wird den Zuschauern 1955 so exotisch und aufregend vorgekommen sein, wie dem heutigen Hörer die neue CD Dolly Shot der (fast!) gleichnamigen Band. Wunderliche, futuristische Apparate, eine Musik ebenso schmeichelnd wie bedrohlich. Bei den Pulp-Schweizern muss man allerdings gewahr sein, dass unversehens ein von (Johnny) Rotten verfolgter Chewbacca das futuristische 60er-Jahre-Idyll stört oder sich neben Lino Ventura in einer Citroën DS plötzlich Captain Kirk materialisiert.\nAus einem Trio mit einem Steady-Gig in Zürich ging nach fünf Jahren und mehreren Umbesetzungen 2010 das aktuelle Quintett hervor, das aus einem lokalen Spaß universalen Ernst machte. Versetzten in den 60ern die „Frogs“ die Erde in Aufregung, alarmierte knapp 50 Jahre später das Debütalbum Pimp Town die Jazzpolizei. Darauf folgt jetzt Dolly Shot: Surf und Soul, Easy Listening und Avantgardefrickeljazz, Synthiegezwitscher und Wortsamples, Rock, Punk und Filmmusik ohne Parkerlaubnis, ein buntes Völkchen tummelt sich da auf diesem Silberling.\nHier spricht der Captain des postmodernen Raumfliegers, Christoph Grab: \“Ich bin in den 80er-Jahren mit Rock und Punk sozialisiert. Gleichzeitig hat mich das Filmische und Erzählerische in der Musik immer interessiert.\“ Der Züricher Saxofonprofessor wurde dermaßen von Trash-, Science-Fiction- und Krimifilmen der letzten 100 Jahre imprägniert, dass ihm mit seiner Band unwillkürlich und ständig der Sprung ins Paralleluniversum gelingt, das Mittun in zahlreichen Projekten aller Art aber verhindert, dass er sich darin verheddert. „Die anderen Bands haben eher Einfluss auf das SFT als umgekehrt.\nHöchstens wenn ich bei einer Soundscape-Improvisation dann so typische Casio-Melodiechen spiele, schauen mich die anderen schon mal komisch an.“ Seine musikalische Crew, Felix Utzinger/Gitarre, Christian Rösli/Keyboards & Laptop, Valentin Dietrich/Bass, und Andy Wettstein/Schlagzeug, steuert viele Ideen bei, zuweilen zur Überraschung des Captains: „Manche Stücke werden ganz anders als ursprünglich gedacht; auch live gehen wir mit dem komponierten Material sehr frei um. Und zwischen den Stücken machen wir immer wieder Soundscape-Improvisationen, gewissermaßen die Filmmusik nach den Titelmelodien.\“ Und zu seinen Kompositionen: \“Beim Komponieren für meine Jazzbands wehre ich mich gegen Klischees, suche das Eigene, beim SFT lasse ich sie zu und spiele mit ihnen herum. Das Eigene entsteht beim SFT im Spiel mit dem Material und durch die starken musikalischen Persönlichkeiten, die hier aufeinander prallen.“\nUnd so rauscht auf Dolly Shot in musikalischen Parsecs ein Jahrhundert Trash durchs Ohr, zwischen Kunst und Kitsch, alt und neu, schön und schräg. Das Science Fiction Theater macht bei aller musikalischen Ernsthaftigkeit Spass, assimiliert unentwegt und unbekümmert alte Versatzstücke, ohne diese zu zitieren und kreiert dadurch Neues. Als Dolly Shots werden in der Filmsprache Sequenzen bezeichnet, die von einem „Dolly“, einem mobilen Kamerawagen, herab gemacht werden. Bewegte und bewegende Momentaufnahmen – die Titel „Dolly Shot A-D“ sind auf der CD frei improvisierte Kabinettstückchen, die wie komponiert wirken. Die anderen Titel sind klarer konzeptioniert: „Titty Twister“ ist eine Hommage an Quentin Tarantino und die gleichnamige Bar im Film From Dusk till Dawn, „Flucht ins Dunkel“ wurde vom Filmmusikkomponisten Lalo Schifrin und erfolgungsjagden der 70er-Jahre inspiriert. In „Halbwelt“ wabert ein imaginäres „Film-Noir-Krimigefühl“ zwischen schweren Jungs und leichten Mädchen durch die Kalotten, „Horny Mutant“ ist ein tragisch-komisches Musik-Gebilde in der Tradition der Mutanten der Filmgeschichte, und „Sputnik“ schließlich erweist wunderbar-schlechten Science-Fiction-Filmen wie Barbarella, Flash Gordon oder Godzilla die Ehre, jenen Gruselkabinetten billiger Effekte, in denen Kulissen ungeschminkt als Kulissen erschienen, das Falsche echt war und nicht die perfekte\nIllusion vorgaukelte. Die Musik des Science Fiction Theater bietet im Adorno-Umkehrschluss die Möglichkeit ein „wahres Leben im falschen“ zu hören, den Geist schweifen zu lassen, wo heutzutage die perfekte Digitalinszenierung die Phantasie am Abheben hindert. Das Anstoßen von Klischees im Hörerhirn ist zugleich die Zündung für einen Trip ins Unbekannte; wer mit dieser Band an Bord geht, tut das mit dem Enterprise-Leitmotiv: „To boldly go, where no one has been gone before“.\nOder wie Truman Bradley weiland zu Beginn jeder Folge von Science Fiction Theatre verkündete: „Let me show you something interesting.\““}

{„de“:“Das Basler Label Hat Hut ist gewöhnlich eine Plattform für die internationale Avantgarde im Jazz und nicht für Newcomer der lokalen Szene. Was also hat Manuel Mengis, ein 33-jähriger Walliser Trompeter, autodidaktischer Komponist und Bergführer, dort zu suchen, wo Matthew Shipp und Steve Lacy, David Liebmann und Ellery Eskelin sich die Klinke in die Hand geben? Sehr viel, wird man sagen, wenn man die vier suitenartigen Kompositionen seines Erstlings »Into The Barn« gehört hat. Sie stehen in der Tradition von Charles Mingus und John Zorn, haben aber auch den Miles Davis der »Jack Johnson«-Phase intus und spinnen den Faden frisch und frech weiter. Marcel Stalders E-Bass und Lionel Friedlis Drums legen den abwechslungsreichen Boden. Darüber spielen der Leader sowie der Altsaxophonist Achim Escher, der Tenorsaxophonist Christoph Erb und der fulminante E-Gitarrist Flo Stoffner, der auch in Christoph Grabs Quartett mitwirkt, ihre Soli. Sie brechen aus, finden aber immer wieder zu dichtem Ensemblespiel zurück. Power-Jazz wechselt ab mit lyrischen Passagen, die geschickte Dramaturgie begnügt sich nicht mit dem Thema-Solo-Thema-Schema. Erfreut stellt man fest: Was sich da aus der Musikhochschule Luzern, Abteilung Jazz, um das Visper Urgestein Mengis abgelagert hat, braucht Vergleiche mit New York nicht zu scheuen.\n(pab.)“}

{„de“:“Grunge, Alternative Rock, realisiert mit wuchtigen Rhythmen, komplexen Formstrukturen, schleifenden Sounds und einem magisch wirkenden Gesang, alles gewürzt mit einem Schuss zeitgenössischem Jazz, – die Schweizer Band Lauschangriff geht zu Sache, und zwar am Freitag, dem 7. Dezember (21 Uhr) im Jazzclub Neue Tonne auf der Königstraße 15.\n»Angriff ist die beste Verteidigung« – dieses Motto haben sich die vier Züricher Musiker auf die Fahne geschrieben. Gemeint ist ein Angriff auf die Hörgewohnheiten des Publikums, verteidigt wird die Lust an intelligenter Rockmusik. \nDoch bieten sie dem Publikum keinen altertümelnden Kunstrock, sondern eine zeitgemäße, energetische und ausdifferenzierte Mischung moderner alternativer Musikstile und beweisen dabei ein untrügliches Gespür für Klangstrukturen und Stimmungen, die den Hörern immer wieder etwas Neues entdecken lassen. Zwischen knallharten Riffs und versteckten ungeraden Metren tönen ungewohnte Klänge an, die sich dann mit sphärischen Phasen abwechseln.\nDie Youngster von Lauschangriff verpacken das Unerwartete und greifen dabei unbeschwert auf das Erbe von Jimi Hendrix und Led Zeppelin wie auch auf die Überlagerungen eines Steve Reich oder Arnold Schönbergs zurück. Stilgrenzen überbrücken sie dabei bewusst.“}

{„de“:“Das legendäre Raumschiff Orion pflügt durch ferne Regionen und landet scheppernd mitten unter den Munsters in einer Bar, wo Tamara Jagellovsk und Barbarella ein Solo für U.N.C.L.E. tanzen, während irgendwo die Supernova aufscheint, am Ende aber das Ganze von Lemmy Caution geklärt wird.\nWenn das Zürcher SCIENCE FICTION THEATER aufspielt, tönt es, als sei der ganze Soundtrack-Trash aus billigen bis kultigen Horrorfilmen, Krimis und dem Zukunftswahn früherer Jahrzehnte neu aufbereitet und zur Grundlage der furiosen Musik erhoben. \nIn der Schweizer Band versammeln sich ein Rockdrummer, ein Bassist mit Punk-Roots, ein frickelnder Rockgitarrist, ein Analog-Synthie-Freak und ein kauziger Jazzsaxofonist mit diebischer Freude am Aufeinanderprallen-Lassen von musikalisch entgegengesetzten Welten: Das Smarte trifft auf das Schräge, das punkig Harte auf schwelgerische Easy Listening-Klänge. \nDeutlich inspiriert von den Soundtrack-Heroen Lalo Schifrin, Nino Rota und Ennio Morricone, spielen sie ihren ganz eigenen Mix aus bondmäßiger Filmmusik und groovendem Souljazz der 60er Jahre gespickt mit elektronischen Klängen und Beats von heute. Heraus kommt eine vielfarbige Groovemusik zwischen Surf, Trash, Punkjazz und Easy Listening. Intelligent, augenzwinkernd, filmreif. \nUnbedingt hingehen. Beam me up, Scotty!“}

{„de“:“Das Wort »lila« ist Sanskrit bedeutet »Spiel«. Mehr als das: göttliches, schöpferisches Spiel, es bedeutet Zerstörung und Wiederaufbau, Werden und Vergehen des Kosmos.\n\nChristoph Erb und Hans-Peter Pfammatter zählen zu den herausragenden Vertretern einer jungen Innerschweizer Jazzguerilla. Beide haben in ihrem bisherigen Schaffen ein vehementes Interesse an Stilbrüchen gezeigt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der Holzbläser, der mit seiner Band »erb gut« vor zwei Jahren den ZKB-Jazzpreis einheimsen konnte, und der Keyboarder, der mit der Band New Bag des alten Haudegens Christy Dorans um die halbe Welt gereist ist, ein gemeinsames Projekt ins Leben rufen würden.\n\nErb und Pfammatter sind sich immer mal wieder übern Weg gelaufen, haben gefachsimpelt und geträumt – und irgendwann haben sie dann Nägel mit Köpfen gemacht. So entstand das Quartett Lila , das als Kollektiv funktioniert: Der Gitarrist Flo Stoffner und der Schlagzeuger Julian Sartorius werden von ihren Kollegen nicht herumkommandiert, sondern sind gleichberechtigt in einen Schaffensprozess involviert, bei dem es viele frei gestaltbare Variablen gibt. Pfammatter sagt: »Wir kommen gut miteinander aus. Alle sind stilistisch sehr offen.«\n\nTatsächlich zeichnet sich auch die aktuelle CD »Lila« (Unit Records) nicht zuletzt durch eine unorthodoxe Rollenverteilung unter den Musikern auf – was der kürzlich verstorbene Joe Zawinul über Weather Report sagte, gilt gewissermassen auch für Lila : »Nobody solos, everybody solos.« Pfammatter sagt es so: »Wenn jemand Lust darauf hat, abzuhauen, kann er das machen.« \n\nDie Musik dieser experimentierfreudigen Gruppe oszilliert zwischen aggressiver Deftigkeit und bizarrer Klangmalerei, vertrackte Grooves wechseln ab mit frei pulsierender Energie. Erb schreckt nicht vor Schnoddrigkeit zurück; manchmal schafft er mit der Wiederholung fieser Fieptöne mehr Spannung als viele andere Saxer durch virtuoses Rauf-und-Runter. Pfammatter ist sozusagen die Multi-Tasking-Abteilung der Gruppe, er spielt nicht nur Bass-Synthesizer und Wurlitzer, sondern ist auch für die Electronics-Garnitur besorgt. Sartorius ist das Küken der Band, aber deswegen nicht eingeschüchtert: Ein Schlagzeuger, der Gas geben kann, sich aber nie selbstgefällig in den Vordergrund spielt. Zum Gitarristen hält Pfammatter fest: »Mit Stoffner ist die Band noch ein bisschen verrückter geworden.«“}