{„de“:“Hannes Zerbe, der Altmeister des gemäßigt freien Jazzpianos der DDR, hat eine neue Band! Bekannt und berühmt geworden ist er bereits vor Jahrzehnten – nicht nur als Komponist für und Pianist in kleineren Formationen wie die damals Kult darstellenden FEZ und Osiris, sondern auch als Pianist und Bandleader solcher Ensembles wie die Hannes-Zerbe-Blech-Band, mit der auch Eisler-Kompositionen aufgeführt wurden, und, bis in die Gegenwart hinein, das Berliner Jazzorchester Prokopätz. Zerbe hat einiges drauf – als Komponist hat er sein Handwerk bei Paul-Heinz Dittrich gelernt, als Improvisator und Bandleader nutzte er die Erfahrungen eines Musikantenlebens, das seit 1969 freischaffend verläuft und in dessen Verlauf Zerbe mit vielen Größen der Szene musiziert hat – Willem Breuker, Baby Sommer, Conny Bauer, Lauren Newton sind nur eine Auswahl von Namen. Weiterhin hat Zerbe mit Schauspielern, Regisseuren und Musikern an Text-Musik-Projekten u. a. zu Bert Brecht, Ingeborg Bachmann, Kurt Schwitters und Heiner Müller mitgewirkt; Arbeit über den engen Jazzkreis hinaus ist ihm sehr vertraut. Mit den verschiedenen Besetzungen und Projekten trat Hannes Zerbe auf vielen nationalen und internationalen Konzertpodien und Festivals von Petersburg bis Los Angeles auf. \n \nHorst Nonnenmacher war der grandiose Bassist der grandiosen Berliner Band Frigg, die sich leider nicht in dem Maße in der Öffentlichkeit durchsetzen konnte, wie sie es wert gewesen wäre (wie häufig in der Kunst setzt sich, zumindest quantitativ, wohl selten das Gute, sondern eher das Schlechtere durch …). Der Virtuose Jens Bodenburg spielt Tenor- und Sopransaxophon. Durch die Mitwirkung in zahlreichen Ensembles gelingt ihm eine spielerische Gratwanderung zwischen Jazz, Rock’n Roll und Klassik. Harald Thiemann, auch Drummer des Jazzorchesters Prokopätz, sammelte Erfahrungen nicht nur im Jazz, sondern auch im Tanz- bzw. Ballett-Bereich und beim Klezmer.“}

{„de“:“Oktober 1989 – eine nahezu jazzlose Zeit in den Kellerräumen der damaligen »Tonne«. Die Demonstrationen auf der Prager Straße und die öffentliche Stimmung – eine Mischung aus Protesthaltung, gesellschaftlicher Aufbrucheuphorie und Empörung gegen die Polizeizugriffe – veränderten binnen weniger Tage den Interessenfokus auch bei den Jazzfans. Von den eigentlich acht geplanten Veranstaltungen in der »Tonne« fanden lediglich drei statt, darunter im Rahmen der 3. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik das Konzert am 8. Oktober 1989. \n\nAngekündigt war es als »Spielauffassungen im Vergleich«, auftreten sollten laut damaligem »Tonne«-Programmzettel Jörg Huke – tb, electronics (spielte nicht; stattdessen Günter Heinz); Bertram Quosdorf – cl (war auch durch Polizeisperren behindert, kam aber noch); Gert Unger – g; Peter Koch – cello; Hannes Zerbe – p, synth; Harald Thiemann – dr (wurde verhaftet, konnte nicht; stattdessen trommelte Wolfram Dix).\n\nDas heutige Konzert wird auf der Basis des damals von Hannes Zerbe konzipierten Materials eine zeitgemäße Neu-Interpretation zu Gehör bringen. Mit dabei sind diesmal ganz bewusst Posaunist Jörg Huke, so wie es damals originär geplant war, und auch beide Schlagzeuger: Harald Thiemann, der damals nicht spielen konnte, weil er im Knast in Bautzen saß, und Wolfram Dix, der per Telegramm kurzfristig benachrichtigt wurde und einsprang.\n\nDas Konzert soll damit an die Geschehnisse vom 8. Oktober 1989 auch ganz klingend erinnern und Brücken in die Gegenwart schlagen.“}

{„de“:“Mit Alex Švamberk trifft einer der künstlerisch potentesten tschechischen Musiker und Musikkritiker (Alex hat auch ein Buch über Punk in den USA geschrieben!) auf zwei Top-Musikanten Deutschlands. \n\nAlex Švamberk ist berühmt geworden für seine Performances und Audioskulpturen, geschaffen mit Sampler, Metallstücken, Perkussion und Electronics. Seit den frühen Neunzigern leitet Alex seine Band Tonton Macoutes, die die Grenzlinien zwischen elektroakustischer Kammermusik, Performance und Butoh-beeinflusstem Tanz verschob. Er ist auch Mitglied der Industrial-Noise-Group Suicidal Meditations sowie von deren Nachfolge-Ensemble S/M und tritt als Schauspieler in Avantgarde-Theaterstücken auf.\n\nJörg Huke ist als Mitglied der Berliner Kultband Fun Horns wohlbekannt, seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Hannes Zerbe – zum Beispiel »MERZ-Jazz« – ist Legende. Er ist Mitglied vieler Großformationen und auch als Film- bzw. Theaterkomponist tätig. \n\nÜber Hannes Zerbe Worte zu verlieren hieße Eulen nach Athen tragen; Zerbe gehört zu den wichtigsten Musikern Deutschlands, seine Erfahrungen zwischen Free Jazz, Bigband-Jazz, Text-Musik-Projekten (zu Bertolt Brecht, Ingeborg Bachmann, Erich Fried, Raimond Queneau, Kurt Schwitters, Volker Braun, Heiner Müller in Zusammenarbeit mit Schauspielern und Sängern) sowie komponierter »ernster« Musik machen ihn zu einem Juwel der deutschen Musikszene.\n\nDieses Konzert – eine Premiere! – ist die Eröffnungsveranstaltung der zweiten Auflage des erfolgreichen Projektes »D/CZ Jazzbegegnungen«. Tschechische und deutsche Jazzmusiker begegnen sich, erarbeiten ein neues Programm und präsentieren dieses in Dresden und Ustì nad Labem. Von Januar bis Mai gibt es so jeden Monat die Möglichkeit, eine Weltpremiere zu erleben und als Zuhörer zusammen mit den Musikern auf eine Entdeckungsreise zu gehen.“}