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Übergriffe und Anschläge als Programm\n\nFünfundzwanzig Jahre freischaffend auf der Bühne – der »saxophon-actor« Dietmar Diesner hinterlässt Spuren \n\nNach seiner Ausbildung am Konservatorium Cottbus erhielt Diesner 1979 seine Lizenz als Berufsmusiker – das war vor 25 Jahren, seither arbeitete er freischaffend, zunächst überwiegend in Berlin und im Ausland, später auch in Dresden, wo er auch an der Hochschule für Musik »Carl Maria von Weber« 1985 sein Diplom machte. Schon in den 80er Jahren galt Dietmar Diesner als einzigartiger Künstler der ostdeutschen Jazzszene, der auch damals bereits in vielen internationalen Besetzungen der so genannten Improvisationsmusik zu Hause war.\nDabei zeigte sich Diesner von Anfang an sehr agil, eingreifend, die Landschaft des DDR-Freejazz und der freien Improvisationsmusik mitgestaltend.\n\nDiesner war damals entscheidend an der Gründung einiger impulsgebender junger Freejazz-Bands beteiligt und sorgte somit dafür, dass sich diese freiheitliche Musik nicht nur auf Musiker der zehn und mehr Jahre älteren Generation (Baby Sommer, Conny Bauer, Uli Gumpert, Ernst-Ludwig Petrowsky) beschränkte. Aus der Band Blues AG ging im August 1979 die Dresdner Musikbrigade hervor, zunächst als Quartett mit Dietmar Diesner gegründet, kurz darauf mit dem Bassisten Rüdiger Phillip zum Quintett erweitert. Ab August 1980 spielte die Musikbrigade in der damals bekannten Trio-Besetzung mit Hansi Noack (Violine), Lothar Fiedler (Gitarre) und Gottfried Rößler (Drums).\n\nDie erste wirkliche »Diesner-Band« war die mit dem Pianisten Carlo Inderhees und dem Schlagzeuger Steffen Hübner gegründete Gruppe EVIDENCE.\n»EVIDENCE hat es, dank ihrer Originalität, gepackt. Emotional wie intellektuell an den schon klassisch zu nennenden Wurzeln des modernen Jazz sowie an den Freejazz-Großen der DDR und an den neuesten Tendenzen orientiert, schufen sie für sich ein klares, praktikables Konzept und wirkten durch die gezeigte Spielfreude als frischer, Eigenes kreierender musikalischer Katalysator«, schrieb Matthias Creutziger begeistert in der UNION vom 1. August 1980 über ein EVIDENCE-Konzert in Meißen. Und EVIDENCE machte sich dann auch bald international einen Namen – zum Beispiel bei den Debrecener Jazztagen 1982.\n\nSeit 1982 bezog Dietmar Diesner zunehmend außermusikalische Künste in seine Arbeit ein, angeregt durch seine Mitwirkung in der Gruppe FINE der Performance- und Ausdruckstänzerin Fine Kwiatkowski. Den Shows von FINE (neben Diesner und Kwiatkowski noch Christoph Winckel am Bass und der Gitarrist Lothar Fiedler) wohnte eine ungewöhnliche künstlerische Sprengkraft inne – durch die improvisierte Körpersprache der Tänzerin, die die jeweilige Raumdimension einbezog, gelang es dem Ensemble, eine spannungsgeladen psychische Situationen in Raum, Bewegung, Klang und choreografischem Bild abzubilden. Gelegentlich wirkten noch die Maler Helge Leiberg und Hans Scheuerecker sowie die Malerin Christine Schlegel – teils mit Filmprojektionen – mit. Abstrakte Filmbilder wurden auf die Tanzende und auf die Musizierenden projiziert, so dass der künstlerische Eindruck noch dichter wurde. Später, Ende der achtziger Jahre, mündete diese künstlerische Intermedialität Dietmar Diesners in dessen Mitwirkung an der Ton-Bild-Kumpanei, einem intermedialen Improvisationsprojekt von Dietmar Diesner, Matthias Boltz, Claus Weidensdorfer und Jürgen Haufe, das mit einer Performance im Juni 1989 startete und das – wegen Haufes Tod im September 1999 – im Dezember 2001 letztmalig über die Bühne ging.\n\nÜber FINE kam es 1987 auch zu Kontakten zur kultigen Noise-Rock-Impro-Band KIXX, die anfangs noch mit Wigald Boning (voc, ss) auftrat. Diesner wurde reguläres Mitglied der Band, die in verschiedenen Besetzungen zwei LPs (bzw. CDs) veröffentlichte. Gemeinsam mit Lars Rudolph verlieh Diesner diesem Projekt einen kräftigen Touch dadaistisch-skurrilen Flairs. Es bestätigte sich auch hier wieder: Wo Diesner mittat, entstand etwas Besonderes, und für KIXX war der Schritt vom Blödeln zur anarchischen, punk-getränkten Dämonenmusik getan.\n\nUnd außer mit diesen Anarcho-Projekten (zu denen durchaus auch Diesners Gastspiel 1989 bei Stan Red Fox gezählt werden darf) war Diesner immer wieder in den verschiedensten Ensembles der Improvisationsmusik zugange: in der Uli Gumpert Workshop Band, im Manfred Schulze Bläserquintet, im King Übü Orchestra und in zahllosen Duo- und Trioprojekten mit diversen Musikern. Dabei bewies der Saxophonist seine frappierende individuelle Fähigkeit, ganz nuanciert auf die jeweiligen musikalischen Konstellationen zu reagieren – man vergleiche nur seine Duo-Arbeiten mit diversen Schlagzeugern: im Duo mit Peter Hollinger entstanden wuchtige, von abstrakten Marschrhythmen getriebene Geradeaus-Strukturen, gemeinsam mit Sven Ake Johansson eher freiere, fragilere, strukturell offenere Dinge. Klar, dass an dieser Stelle die Band SLAWTERHAUS erwähnt werden muss, die in wohl idealer Weise sämtliche bis dahin bemerkenswerten Aspekte in Dietmar Diesners Arbeit vereinte: Post-Dada-Anarcho-Punk-Freejazz-Impro-Kompositionen mit einem gehörigen Schuss Grotesk-Performance! Die Band mit Jon Rose (cello), Johannes Bauer (tb), Peter Hollinger (ein Irrwisch auf seinem minimalen Drum-Set!) und Dietmar Diesner (sax, electronics) veröffentlichte zwei CDs, die diese ausufernde Musik dokumentieren.\n\nBeim Erwähnen des Begriffes »CD« bilden sich Falten auf Dietmar Diesners Gesicht: »Für CD-Sammler sind wir nicht existent«, stellt der Künstler fest. »Meine Musik und die Musik von uns Improvisationsmusikern überhaupt lebt im und vom Live-Spiel.« Wer als Fan Musik hauptsächlich anhand der veröffentlichten CDs verfolgen will, werde im Falle der Improvisationsmusik und speziell in seinem Falle in eine falsche Richtung verführt, so Diesner. Seine eigene Musik sei auf weniger als zehn CDs bzw. LPs dokumentiert, dazu kämen noch einige, auf denen er zum Ensemble gehöre – von einigen im Lande umhergeisternden Privatmitschnitten mal abgesehen. Demgegenüber aber habe er in den 25 Jahren seiner Arbeit als freischaffender Improvisationsmusiker, Komponist und saxophon-actor mehr als 2000 (!) Konzerte und Performances gegeben. Diesner hat also Spuren hinterlassen – auch ohne eine Riesenmenge an CDs.\nÜbersehen werden sollte dabei keinesfalls Diesners immer wichtiger gewordene Solo-Arbeit, die mittlerweile sowohl künstlerisch als auch zahlenmäßig einen wesentlichen teil seiner Arbeit ausmacht, seine Vernissage-Performances und seine Beteiligung an Theaterprojekten, teils als Komponist von Theatermusiken, teils als aufführender Musiker, teils auch als Musiker in Projekten, die aus der Sphäre des Theaters entstammen. In guter Erinnerung ist diesbezüglich noch Diesners Beteiligung seit 1988 am »Mann im Fahrstuhl« von Heiner Müller (Musik: Heiner Goebbels), u.a. zum Festival New Music America ’89 in New York, oder seine Musik (gemeinsam mit Hollinger) für »Trost der nördlichen Meere«. Gegenwärtig ist der Dresdner Künstler mit eigener Musik und einem Auftritt an der Inszenierung von »Germania. Stücke« (Heiner Müller, Regie: Dimiter Gotscheff) am Deutschen Theater beteiligt.\n\nLängst gehört Diesner auch auf europäischer Ebene zu den Protagonisten der sogenannten »real time composition & performances« (O-Ton Diesner), einer aus der Improvisationsmusik entwickelten Aufführungspraxis, die im wesentlichen die spontan-intuitiven und kompositorischen Aspekte des Individualstils mit denen der in Echtzeit verlaufenden räumlich-situativen Gegenwart verbindet. Der Musiker, so Diesner, verlässt die übliche funktionale Rolle des (nur) Interpretierens oder Improvisierens. Er gestaltet überdies den dramaturgisch-szenischen Verlauf in einer ihm konfrontierten Situation von Raum und Durchschreitung, Nachhall, Menschen und Reaktionen, Stille oder Störung. »Übergriffe und Anschläge« eingerechnet.\n\nDem 25-jährigen Bühnenjubiläum Dietmar Diesners ist ein Mini-Festival gewidmet, das im Jazzclub Neue Tonne Dresden am 3. und 4. Dezember 2004 stattfindet.\n\nMathias Bäumel„}

{„de“:“»Wir vier Musiker stellen uns auf die Bühne und spielen einfach los, ohne zu wissen, was da auf uns zu kommt. Das musikalische Ergebnis ist ambivalent und schwer zu beschreiben, bewegt sich jedenfalls weit weg gewohnter Hörgewohnheiten. Die BSG 9 bietet ein interessantes und spannungsgeladenes Hörerlebnis – vorausgesetzt, der Zuhörer ist bereit, sich in unsere Musik fallen zu lassen.«\n\nÜber das Gründungskonzert der BSG9 im Juli 2005 schrieb die Leipziger Volkszeitung:\n\nFreestyle im Tonelli´s. Hansi Noack, bekannt vor allem als die Geige von Dekadance, von Musikfreunden geschätzt als Spiritus Rector des Avantgarde-Projekts A.I.D.S., hatte mal wieder zur Session geladen. Stargast des Abends ist Bert Stephan, die Trompete und der Kopf von Dekadance aus Dresden, die Gitarre bei den Rocky´s und, wie sein kürzlich erschienenes zweites Solo-Album beweist, hinter allem musikalischen Geblödel ein sehr ernst zu nehmender Musiker mit progrockigen Ambitionen. Ihm zu Ehren heißt die Band an diesem Abend Bert Stephan Group.\nVor Jahren hat er sich mal mit dem kongenialen Programm »Was Sie schon immer über Jazz wissen wollten« über eben jenen lutig gemacht. Jetzt spielt er welchen. Pech für alle, die in der Hoffnung auf dekadenten Klamauk gekommen sind. Songs im eingentlichen Sinne gibt es nicht. Die Band spielt genau zwei Stücke, eines vor und eines nach der Pause. Alles wird frei improvisiert, Strukturen sind nicht vorgegeben, sie entstehen höchstens. Die Musiker spielen miteinander, im wahren wie im übertragenen Sinne. Sie kreuzen zwanglos umher, suchen einander und finden gemeinsam zu Höhepunkten – um sich anschließend wieder zu verlieren. Stephan spielt erst Gitarre, dann Trompete, Hansi liefert verblüffende Beweise, wie sehr Geigentöne verfremdet werden können, wenn man nur genügend Effektgeräte hat. Sehr belebend das Saxophon in Teil zwei.\nMario von Mad X-Ray am Bass ist die Seele des Ganzen. Betont zurückhaltend beteiligt er sich kaum an den musikalischen Kapriolen der Kollegen auf der Bühne. Ist aber ständig hellwach, spürt sofort, wenn Ideenfunken hörbar werden, nimmt die Vibes sensibel auf und verpasst ihnen ein Fundament. Wenn gelegentlich alles auseinander zu driften droht, behält er die Übersicht, sein Bass ist die letzte Rückzugslinie vor dem Chaos. Das Ganze ist natürlich schwer gewöhnungsbedürftig, und es gibt ohrenscheinlich quälende Passagen, in denen alle mehr oder weniger hilflos aneinander vorbeistolpern. Doch wenn sie sich gefunden haben, laufen sie zu großer Form auf. Auch das Publikum genießt diese Momente, der Applaus ist durchaus begeistert. Die Musiker allerdings lassen sich nach dem weiten Stück nicht noch einmal auf die Bühne bewegen; auch da sind sie sehr eigen…“}

{„de“:“In der BERT STEPHAN GROUP – BSG9 improvisieren die Musiker ohne Absprachen und Vorgaben. Das Konzert wird so zur einmaligen und nicht reproduzierbaren Performance. Mit den Jahren hat sich dadurch ein gewisser musikalischer Style entwickelt – und dieser bewegt sich irgendwo zwischen Ambient und Chill, immer wieder durchbrochen von jazzigen Passagen und kraftvollem Psychedelic Rock. Die siebziger Jahre haben die Band sehr beeinflusst, aber auch Bands und Musiker wie Miles Davis, Frank Zappa, CAN und Nils Petter Molvaer.“}

{„de“:“Die Veranstaltung wird aus aktuellem Anlass verschoben.\nEin Ersatztermin wird baldmöglichst bekanntgegeben.\n\nIn der BERT STEPHAN GROUP – BSG9 improvisieren die Musiker ohne Absprachen und Vorgaben. Das Konzert wird so zur einmaligen und nicht reproduzierbaren Performance. Mit den Jahren hat sich dadurch ein gewisser musikalischer Style entwickelt – und dieser bewegt sich irgendwo zwischen Ambient und Chill, immer wieder durchbrochen von jazzigen Passagen und kraftvollem Psychedelic Rock. Die siebziger Jahre haben die Band sehr beeinflusst, aber auch Bands und Musiker wie Miles Davis, Frank Zappa, CAN und Nils Petter Molvaer.“}