{„de“:“Als Julia Hülsmann klein war, lief ein merkwürdiger Konzert-Mitschnitt im Fernsehen. Ein Mann hockte da alleine am Flügel und sang wunderschöne Sachen mit einer eigentlich schrecklichen Stimme. Julia Hülsmann fand das ziemlich toll. Und freute sich, dass ihre Eltern zufälligerweise Noten von diesem seltsamen Typen gekauft hatten. So setzte sie sich also ans heimische Klavier und spielte zum ersten Mal in ihrem Leben keine klassischen Etüden. Sondern Songs von Randy Newman. Es war der Beginn einer langen Liebesgeschichte.\n\nJulia Hülsmann ist inzwischen selbst eine bekannte Pianistin. 2003 nahm sie zusammen mit ihrem Trio und der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken die Platte »Scattering Poems« auf, die bei Publikum und Kritik gleichermaßen zu einem verblüffenden Erfolg wurde. Hülsmanns Vertonungen von Gedichten des amerikanischen Avantgarde-Lyrikers E.E. Cummings bescherten zwei der größten Talente innerhalb der europäischen Jazzszene den verdienten Durchbruch. Mit »Come Closer«, ihrer eigenwilligen Hommage an Randy Newman, zeigt die in Berlin lebende Pianistin und Wunder-Arrangeurin, dass man ein an sich schon makelloses Debüt problemlos übertreffen kann. Man muss nur ein untrügliches Gespür für große Lieder und den Mut sowie die Begabung haben, um diese teilweise 30 Jahre alten Stücke für die Gegenwart der improvisierten Musik nutzbar zu machen. Man muss natürlich auch die richtigen Leute kennen. Der Bassist Marc Muellbauer und der Schlagzeuger Heinrich Köbberling sind Hülsmanns langjährige kongeniale Komplizen, little criminals, die mächtigen Tons und perkussiv einfallsreich lauter krumme Dinger drehen. Kammerjazz mit Dreck an den Fingern und beißendem Spott in der Herzkammer ist das Ergebnis. Und so tanzt Randy Newman nun den New-Orleans-Gumbo, ist plötzlich Mitglied im Ambient-Fan-Club und hört vergnügt den Rhodes-geschwängerten Spacejazz eines Herbie Hancock.\n\nHülsmann hat aber auch eine neue Partnerin im (Lust-)Verbrechen entdeckt. Anna Lauvergnac, seit langem Sängerin des Vienna Art Orchestra, spielt jede Rolle einfach perfekt. Sie ist dämonische Verführerin (»You can leave your hat on«), Blues-Verzweifelte (»Let’s burn down the cornfield«), wahnwitzig abgebrühte Tochter (»Mama told me not to come«) und Ko-Autorin des zusammen mit Hülsmann geschriebenen Titelstücks dieser CD. »Come Closer«: näher kann man Randy Newman nicht kommen. (Uli Fild)„}

{„de“:“Stagnation ist ein Fremdwort für JULIA HÜLSMANN. Mit ihrem Trio, welches in den letzten 17 Jahren des Bestehens nicht nur einen gemeinsamen Atem gefunden hat, sondern ganz nebenbei auch den zeitgenössischen Jazz des Landes mit seinem essentiellen und herrlich offenen Stil entscheidend prägte, hat sie erst 2017 das Album „Sooner and Later“ bei ECM veröffentlicht. Nachdem die Pianistin schon zuvor immer wieder das Trio um Instrumentalisten oder Sänger erweiterte, hatte Julia Hülsmann für ihr siebtes ECM-Album \“Not Far From Here\“ eine neue Klangfarbe vor Augen, die Uli Kempendorff am Tenorsaxophon beisteuert. Ihn kennen alle drei Musiker seit vielen Jahren, haben schon in den unterschiedlichsten Konstellationen mit ihm gespielt. Kempendorffs offener Geist und seine Neugier verbieten jedes Schubladendenken und jede Einordnung und Jazzthetik bemerkte in seinem Spiel, dass „sowohl Geschmeidigkeit als auch Ungezwungenheit im Überfluss vorhanden sind“. Womit Uli Kempendorff nun dem Konzept der Hülsmann-Gruppe neue Energie verleiht. „Ihm gelingt das paradox anmutende Kunststück, das angestammte Trio nicht nur zu erweitern, sondern es genau dadurch in seinem Kern nochmals zu schärfen.“ (Tonart 11/2019)“}

{„de“:“Julia Hülsmann ist die derzeit bemerkenswerteste Pianistin der deutschen Jazz-Szene. »Sie hat die Tradition verinnerlicht und spielt jetzt mit den Bausteinen. Nicht, wie bei vielen ihrer Altersgenossen üblich, indem sie die Elemente wahllos zusammensteckt. Sondern stets mit Respekt vor dem Fundament, der Melodie«, schrieb die Tageszeitung DIE WELT.\n\nDie 1968 in Bonn geborene Pianistin kombiniert geschmackssicher verschiedenste Einflüsse: Die Klassik eines Maurice Ravel, die Pop-Musik von Sting, die Jazz-Klavier-Tradition von Monk bis Hancock und darüber hinaus. Hülsmann studierte an der Berliner Hochschule der Künste unter Meistern wie Walter Norris, Aki Takase oder David Friedman und wurde als Stipendiatin des Berliner Senats in New York von Maria Schneider, Richie Beirach, Gil Goldstein und Jane Ira Bloom unterrichtet. Sie war Mitglied im renommierten Bundes-Jugend-Jazz-Orchester unter der Leitung Peter Herbolzheimers und machte sich als Keyboarderin in diversen Big Bands, Fusion-Formationen und der Pop-Gruppe »Bell, Book & Candle« einen Namen. Ihr Trio, das sie 1997 mit dem gründete, gilt unter Kennern als eine der nuancenreichsten und subtilsten Bands der deutschen Hauptstadt.\n\nAuf Rebekka Bakken traf Hülsmann vor drei Jahren in New York. Sie war so beeindruckt von den Qualitäten der Singer/Songwriterin, dass sie umgehend beschloss, Musik für sie zu schreiben. Bakken, die 1970 in Oslo geboren wurde, versteht sich in erster Linie als Erzählerin, als Sprachrohr für ihre Textbotschaften. Ihre Karriere startete sie in der norwegischen R&B-, Funk- und Rock-Szene. Mit 25 zog sie nach New York, wo sie verschiedenen Pop-Bands ihre Stimme lieh; 1998 war der Beginn ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem begnadeten österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel. Mit ihrer einzigartigen Vortragsweise, die Einflüsse von Joni Mitchell oder Sidsel Endresen erkennen lässt, ihrer Gefühlstiefe und ihrer Bühnenpräsenz hat sich Bakken einen Platz in den vorderen Reihen der großen Jazz-Stimmen der Jetztzeit gesichert.\n\n»Scattering Poems« kombiniert nun die Talente der beiden außerordentlichen Künstlerinnen aufs Schönste. Als Textgrundlage haben sie Gedichte von E.E. Cummings ausgewählt. Cummings poetische Bilderwelten und sein sprachliches Rhythmusgefühl seien selber schon Musik, findet Hülsmann. Es habe eigentlich kaum Mühe gemacht, diese Gedichte in Noten zu verwandeln. Genauso mühelos und leicht kommen die zehn Stücke auf »Scattering Poems« daher, die bis auf zwei Beiträge von Sting und Randy Newman allesamt aus der Feder der Berliner Pianistin stammen. Pop mit Verstand, kongeniale Lyrikinterpretationen und ein traumhaft blindes Verständnis zwischen Stimme, Klavier, Bass und Schlagzeug hört man da. »Scattering Poems«: Das ist Gegenwarts-Jazz, basierend auf den Werken eines großen Wort-Künstlers der Vergangenheit. Die Zukunft aber – die gehört zweifellos Hülsmann und Bakken.“}

{„de“:“Seit nunmehr 18 Jahren gibt es das JULIA HÜLSMANN TRIO und es ist eine Instanz des deutschen Jazz geworden. Es hat Eindrücke hinterlassen, hat den zeitgenössischen Jazz dieses Landes geprägt. \nDie enorme Bandbreite des Trios um die Pianistin, Marc Muellbauer (Bass) und Heinrich Köbberling (Schlagzeug) ist beeindruckend, und dennoch ist sein Stil unverkennbar: essentiell, verdichtet und dabei herrlich offen.\nJulia Hülsmann schloss ihr Studium in Berlin (u.a. bei Walter Norris, Aki Takase und David Friedman) im Jahr 1996 ab. Vier Jahre später ging sie für eine längere Zeit nach New York, wo sie Unterricht u.a. bei Richie Beirach und Maria Schneider nahm.\nMehrere CD-Produktionen mit Sängern – Rebekka Bakken, Anna Lauvernac, Roger Cicero – folgten, bis sie beschloss, gemeinsam mit ihrer working band ein Album aufzunehmen. Ihr 2008 veröffentlichtes ECM-Debüt \“The End Of A Summer\“ läutete schließlich eine Verlagerung ihres Arbeitsschwerpunkts zum Trio hin ein.\nMit Marc Muellbauer und Heinrich Köbberling hat die Pianistin in vielen Jahren kontinuierlicher Arbeit ein außergewöhnliches Maß an Interaktion erreicht und reflektiert mit ihnen in beeindruckender Schlichtheit und ohne die geringste Koketterie das Wesen der Melodie. Denn das ist ihr heimliches Generalthema: die Suche nach der verlorenen Melodie. Die „Lyrikerin des deutschen Jazz\“ (DIE ZEIT) schreckt dabei auch nicht vor Pop-Songs zurück, die mit ihrem neuen reduzierten Charakter klingen, als ob sie von ihr erfunden war worden wären, während ihre eigenen Kompositionen klingen wie Standards. Und doch ist ihr Stil ist einzigartig: immer mit Raum, Luft und Sparsamkeit, mit Gefühlen, aber nicht Sentimentalitäten.\nDer überwältigende Erfolg von \“The End of a Summer\“, und der folgenden Konzerte verstärkte den Wunsch, mehr in einem \“reinen\“ Trio-Kontext zu arbeiten. \nEs folgte also 2011 \“Imprint\“ (ECM). Dieses Album zeigt noch eindrücklicher die Klasse des Trios. Die Töne singen und sitzen, genau so und nicht anders; die Musik ist auf ihre Essenz entspannt. Dabei durchdringt das Gefühl, Zeit zu haben, nicht nur die ruhigen Momente der Musik – der intensive treibende Groove der dynamischen Stücke wirkt ebenso aufgeräumt und gefasst. \nDieser Widerspruch ist aber nur scheinbar: „Imprint“ fließt frisch und neu, ist modern und originell ohne die Tradition zu verleugnen. Wie Julia Hülsmann sagt: „Dieses Trio hinterlässt einen Eindruck und ein klares Abbild: Die Musik ist da und bleibt.“\n\nDas neue Trio-Album „Sooner and Later“ erscheint am 24.02.2017 bei ECM Records.“}