{„de“:“Der Pole Tomasz Stanko prägt seit Jahrzehnten mit seiner eigenwilligen und einzigartigen melancholischen Ästhetik das Antlitz des zeitgenössischen Jazz. Seine Bedeutung kann kaum überschätzt werden, und wenn wir erkennen, das Jazz längst nicht mehr eine allein amerikanisch dominierte Musik ist, wird uns klar, das Stankos Beitrag zum heutigen Jazz – jenseits aller Mode-Orientierung – jenen von Miles Davis oder Chet Baker ebenbürtig ist. Dabei bezieht sich die herausragende Rolle Stankos sowohl auf die Frühzeit eines eigenständigen europäischen Jazz als auch auf dessen heutige Situation.\n\nStanko war – gemeinsam beispielsweise mit Zbigniew Namyslowski – Mitglied in der legendären Gruppe Krzysztof Komedas, die Anfang der sechziger Jahre als eine der ersten europäischen Bands begann, die am Modern Jazz Quartet orientierte Ästhetik in Richtung Freiheit zu verlassen. Stankos erste eigene, nach dem frühen Tod Komedas entstandene LP »Music for K« (1970) markierte einen Meilenstein der Jazzgeschichte, der auch heute noch immer wieder wahrgenommen wird. Der ganz große, weltweite Durchbruch gelang Stanko erst in den letzten zehn Jahren durch Alben, die er für das Label ECM aufgenommen hat: »Matka Joanna« (1994), »Leosia« (1996), »Litania« (1997), »From The Green Hill« (1999) und »Soul Of Things« (2002) und »Suspended Night« (2004).\n\nAuf »Soul Of Things« präsentierte sich Stanko, der 2002 den European Jazz Prize erhalten hatte, erstmals mit seinem jungen polnischen Begleittrio, mit dem er schon seit 1994 zusammenspielt und das er auch zum Festival Jazzwelten 2006 mit nach Dresden bringt. Das Album erhielt in Europa, den USA und Japan glänzende Kritiken, wurde in den Musikmagazinen Stereoplay, Audio, Classica, Diapason, Jazz Magazine und Jazzman zur »CD des Monats« gekürt und tauchte auch in zahlreichen Bestenlisten am Ende des Jahres 2002 auf. Dieser Erfolg ermöglichte dem Quartett, eine längere, begeisternde Tournee dies- und jenseits des Atlantiks zu absolvieren. Stankos aktuelles Album »Suspended Night«, eingespielt ebenfalls mit der jungen Besetzung, die mittlerweile als Trio ein eigenes Album herausgebracht hat, macht deutlich, wie sehr der Altmeister junge Musiker beflügeln und zu künstlerischen Höchstleistungen anspornen kann. \n\nWährend Stanko auf »Soul Of Things« zu den Jazzwurzeln, die seine anfängliche Inspirationsquelle waren, zurückgekehrt war und eine eher »traditionelle« Aufnahme vorgelegt hatte, wagt sich das Quartett auf »Suspended Night« nun auf das weite Feld der freieren Improvisation hinaus, freilich ohne dabei den ausgeprägten Sinn für Grooves und Rhythmen zu kurz kommen zu lassen. Genau das kann zum Festival Jazzwelten 2006 in vollen Zügen genossen werden.\n\nEine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Leipzig und dem Adam-Mickiewicz-Institut, aus den Mitteln des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten sowie des Kulturministeriums der Republik Polen im Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres 2005/2006„}

{„de“:“In kaum einem anderen Land hatte Jazz eine so große politische Bedeutung wie in Polen. Und die Musik von Krzysztof Komeda spielte dabei eine entscheidende Rolle: Als Pianist und Komponist von Jazz- und Filmmusiken erlangte er internationale Bedeutung. Er komponierte u. a. die Musik zu 67 Filmen, darunter die Hollywoodklassiker „Tanz der Vampire“ und „Rosemary‘s Baby“ von Roman Polański. In Polen ist er bis heute eine Kultfigur. Seine Musik, in der sich Melancholie und Euphorie verbinden, erweckt ähnliche Emotionen wie die von Fryderyk Chopin. \nCHRISTIAN SCHMIDT-ROST [M. A., Freie Universität Berlin, Osteuropa-Institut] stellt in einem einleitenden Vortrag den Godfather des polnischen Jazz Krzysztof Komeda [1931–1969] vor und beschreibt die Rolle des polnischen Jazz als Symbol für die Freiheit. \nIm anschließenden Konzert des MIŚKIEWICZ/MAJEWSKI QUINTETs mit einigen der aktuell renommiertesten polnischen Jazzmusiker werden die Kompositionen des modernen Klassikers auf faszinierende Art interpretiert.\n\nEine Veranstaltung des Kraszewski-Museums im Rahmen der 3. Polnischen Kulturtage in Dresden.“}